Die große Riester-Lüge - Eure Steuerfragen
- Wir lieben Steuern

- 22. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von euren Steuerfragen!
Wir beantworten hier jeden Monat Fragen, die ihr uns anonym einschicken könnt.
Heute geht’s um ein Thema, um das sich so unendlich viele Mythen und Halbwahrheiten ranken, dass es fast schon weh tut: Die gute alte Riester-Rente.
Aber bevor wir einsteigen: Wenn ihr auch eure Frage an uns loswerden und sie in einem YouTube-Video beantwortet bekommen wollt, dann schaut einmal auf YouTube in die Videobeschreibung.
Da findet ihr den Link, über den ihr das tun könnt.
So, jetzt aber!
Es geht heute um den Steuervorteil, den diejenigen, die Riester-Produkte vertreiben, gerne so anpreisen:

Und wie in der Frage auch schon steht, wird auch ganz gerne von einem doppelten Vorteil gesprochen.
Wenn wir nur auf den ersten Teil der Frage antworten würden, hieße die Antwort Ja.
Riester hat einen eingebauten steuerlichen Vorteil.
Aaaaaber: Riester hat eben keinen doppelten Vorteil.
Das liegt daran, dass Riester eben nicht nur aus einer Komponente, dem Steuervorteil, besteht, sondern aus zweien, nämlich zusätzlich der Zulage.
Klingt ja super klasse, ich kriege eine staatliche Zulage UND kann auch noch Steuern sparen.
Aber genau das ist der große Denkfehler, den viele haben und gleichzeitig auch die Halbwahrheit, die vom ein oder anderen Versicherungsmakler oder –influencer gern verkauft wird.
Denn effektiv gibt es NUR die Zulage ODER den Steuervorteil.
Die Zulage erhaltet ihr laufend.
Ihr zahlt also in euren Riester-Vertrag ein und der Staat gibt euch etwas dazu.
Den Steuervorteil könnt ihr bei eurer Steuererklärung geltend machen, indem ihr die Einzahlungen als Sonderausgaben ansetzt.
Sonderausgaben reduzieren euer zu versteuerndes Einkommen und damit eure Steuerlast.
Der wesentliche Knackpunkt ist aber, dass bei der Steuererklärung dann geprüft wird, ob die Zulage oder der Ansatz als Sonderausgaben für euch günstiger ist.
Ist die Zulage für euch günstiger, dann passiert bei der Steuererklärung genau gar nichts mehr.
Ihr bekommt dann also NUR die Zulage und keinen Steuervorteil.
Ist aber der Ansatz als Sonderausgaben günstiger für euch, dann wirkt sich das trotzdem nicht in voller Höhe auf eure Steuerlast aus.
Sondern es wird geschaut, wie hoch eure Entlastung bei der Steuerlast durch die Sonderausgaben ist und dann wird davon das abgezogen, was ihr schon in Form der Zulage erhalten habt.
Steuermindernd ist also dann nur noch die Differenz.
Damit habt ihr effektiv in diesem Fall NUR den Steuervorteil bekommen.
Die Zulage war im Prinzip nur eine Vorauszahlung auf den Steuervorteil.
Hättet ihr die Zulage nicht bekommen, hättet ihr den vollen Steuervorteil bekommen.
In Summe kommt ihr also mit oder ohne Zulage auf denselben Steuervorteil.
Sagen wir mal ihr hättet in einem Jahr durch den Ansatz als Sonderausgaben eine Steuerersparnis von 100 €.
Ihr habt aber in diesem Jahr eine Zulage von 175 € bekommen.
Dann passiert bei der Steuererklärung nichts mehr, es bleibt bei den 175 €.
Ergäbe sich aber eine Steuerersparnis von 200 €, dann würden die Einzahlungen als Sonderausgaben angesetzt.
Gegen eure Steuerersparnis würden die 175 € Zulage aber gegengerechnet, sodass nur eine Steuerersparnis von 25 € übrig bleibt.
Ihr bekommt also NIEMALS den vollen Steuervorteil UND die Zulage.
So hört es sich in den Werbeversprechen aber oft an und immer, wenn wir Content zum Thema Riester machen, bekommen wir auch Kommentare darüber, dass man sehr wohl Steuervorteil und Zulage bekommen kann.
Der wesentliche Punkt, dass die Zulage auf den Steuervorteil angerechnet wird, verstehen die Leute aber entweder selbst nicht oder man hofft einfach, dass die Kunden das nicht verstehen und lässt es unter den Tisch fallen.
Und versteht uns bitte nicht falsch: Wir möchten hier nicht sagen, dass alle Versicherungsmenschen ihre Kunden über den Tisch ziehen wollen.
Aber es ist einfach super ärgerlich, dass viele eben leider doch gar nicht erst versuchen, volle Transparenz herzustellen, bei einem Produkt, was nun mal leider nicht ganz so einfach zu verstehen ist und sich eben nicht für jeden lohnt.
Klar, es gibt auch Fälle, in denen Riester eine sinnvollere Option sein kann, vor allem dann, wenn das Einkommen eher niedrig ist und wenn man Kinder hat.
Und es ist zusätzlich sicher auch eine Typenfrage, ob Riester passt oder nicht.
Aber es als tolle Lösung für alle oder die meisten zu verkaufen, indem man versucht, die Nachteile wie hohe Kosten und geringe Flexibilität mit einem vermeintlichen doppelten Vorteil wegzuargumentieren, ist ein großes Problem.
Also ja, es gibt zwar einen Steuervorteil, aber nein, es gibt keinen doppelten Vorteil.
Wenn ihr euch bei sowas unsicher seid, könnt ihr natürlich selbst mal ein bisschen mit Rechnern im Internet rumprobieren oder auch euch mal von einem Honorarberater beraten lassen.
Der hat nämlich nichts davon, wenn ihr einen Riester-Vertrag abschließt, sodass ihr euch hier keine Gedanken um irgendwelche Interessenskonflikte machen müsst.
Wenn ihr also keinen Versicherungsmenschen habt, dem ihr da so weit vertraut, kann das eine gute Option sein.
Aber jetzt wisst ihr zum Glück ja auch selbst, wie ihr Versicherungsleute erkennt, die euch Halbwahrheiten aufs Brot schmieren und könnt so vielleicht auch einen Versicherungsmakler finden, dem ihr vertraut.
Bis nächste Woche!
Hinweis: Bei unseren Videos und Beiträgen handelt es sich nicht um steuerliche Beratung. Auch erheben unsere Videos und Beiträge keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir formulieren hier einfach und verständlich, daher erheben wir auch keinen Anspruch auf steuerrechtlich vollkommen korrekte Begrifflichkeiten. Für steuerliche Beratung wendet euch bitte an euren Steuerberater.




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